Was tun
Love-Scamming: Was tun, wenn Sie betroffen sind?
Scham ist verständlich, aber Zeit zählt. Polizei, Verbraucherzentrale und Weisser Ring raten zu diesen fünf Schritten, die ersten beiden sofort. Danach hilft es, mit einer Vertrauensperson oder dem Opfer-Telefon zu sprechen.
- Kein Geld mehr schicken
Auch nicht für eine „letzte“ Gebühr, ein Ticket oder eine angebliche Rückzahlung. „Schicken Sie kein weiteres Geld resp. andere Güter“, rät die Kantonspolizei Solothurn.
- Sofort die Bank anrufen
Eine Überweisung, die Sie selbst veranlasst haben, lässt sich nach der Ausführung grundsätzlich nicht zurückbuchen, schreibt die Verbraucherzentrale. Ein schneller Anruf ist oft die einzige Chance, sie noch aufzuhalten.
- Beweise sichern
Screenshots von Profil und Chats, E-Mails, Namen, Telefonnummern, Überweisungsbelege und Kontoauszüge, am besten zusätzlich auf einem USB-Stick. Erst sichern, dann blockieren.
- Anzeige erstatten
Bei der Polizei vor Ort, in vielen Bundesländern auch online. Haben Sie Geld oder Pakete für die Person weitergeleitet, sagen Sie das: Laut LKA Sachsen drohen sonst Ermittlungen wegen Geldwäsche gegen Sie selbst.
- Kontakt abbrechen und melden
Keine Erklärung, keine Antwort mehr. Melden Sie das Profil beim Anbieter, blockieren Sie die Person, nehmen Sie wenn nötig eine neue Nummer. Warnen Sie Ihre Kontakte, Täter verschicken manchmal Schadsoftware.
Nach dem Betrug melden sich manchmal Helfer: Anwälte, „Interpol“, eine ausländische Polizei oder Betrugsexperten, die Ihr Geld gegen eine Gebühr zurückholen wollen. Das LKA Baden-Württemberg und die Kantonspolizeien Solothurn und Aargau warnen: Das ist der nächste Betrug, genannt Recovery Scam. Zahlen Sie nichts und antworten Sie nicht.
Hilfe
Hilfe bei Romance Scam in Deutschland und der Schweiz
An diese Stellen können Sie sich wenden. Eine Anzeige lohnt sich auch dann, wenn die Täter im Ausland sitzen.
Deutschland
- Polizei: Notruf 110, Anzeige bei der Polizei vor Ort oder in vielen Bundesländern online
- Opfer-Telefon des Weissen Rings: 116 006, kostenlos und bundesweit, dazu Onlineberatung auf weisser-ring.de
- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016, laut Bundesregierung auch bei digitaler Gewalt
- Kriminalpolizeiliche Beratungsstellen der Länder informieren zu Betrugsmaschen
- Verbraucherzentrale: Ratgeber zu Love Scamming und zur Anzeige
Schweiz
- Polizei: Notruf 117, Anzeige bei Ihrer Kantonspolizei, den nächsten Posten zeigt Suisse ePolice
- Schweizerische Kriminalprävention: Kampagne „Wahre Liebe kostet nicht“ mit Infos auf romance-scam.ch
- Kantonale Schuldenberatung, wenn der Verlust Sie in Geldnot bringt
- Psychologische Hilfe oder eine Selbsthilfegruppe, wenn Sie die Sache stark belastet
- Bundesamt für Cybersicherheit (BACS): warnt in seinen Wochenrückblicken vor neuen Maschen
Sitzen die Täter im Ausland, haben Ermittler wenig Möglichkeiten, Verfahren werden meist eingestellt. Die Anzeige ist trotzdem wichtig: Sie ermöglicht Strafverfolgung und schützt Sie, falls über Ihr Konto Geld geflossen ist. Betrug ist in beiden Ländern strafbar, mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe (§ 263 StGB, Art. 146 StGB).
Ablauf
So läuft Love-Scamming ab
So beschreiben Verbraucherzentrale, Polizei und die Schweizerische Kriminalprävention den typischen Ablauf. Wer das Muster kennt, erkennt es früher.
- 1Der KontaktEin attraktives, erfolgreich wirkendes Profil schreibt Sie an, in einer Dating-App oder in sozialen Netzwerken, mit vielen Komplimenten.
- 2Vertrauen über WochenTägliche Nachrichten, große Gefühle, Zukunftspläne. Manchmal schreiben mehrere Täter abwechselnd, teils mit Hilfe von KI-Programmen.
- Die NotlageSobald ein Treffen ansteht: ein Unfall, eine Krankenhausrechnung, ein gestohlener Pass, ein Ticket, das nicht bezahlt werden kann. Komplizen spielen Arzt oder Polizist.
- Immer neue ProblemeNach der ersten Zahlung folgt die nächste Forderung. Wer nicht mehr zahlt, hört meist nichts mehr.
Neu sind KI-Bilder: Das BACS berichtete im April 2026 von generierten Fotos angeblicher Angehöriger im Spitalbett. Die sechs Warnzeichen, an denen Sie solche Profile früh erkennen, stehen auf einer eigenen Seite.

Zahlen
Wie häufig ist Romance Scam? Zahlen für Deutschland und die Schweiz
Eine bundesweite Statistik gibt es in Deutschland nicht, auch das Lagebild Cybercrime des BKA weist Love-Scamming nicht gesondert aus. Einzelne Länder und die Schweiz veröffentlichen eigene Zahlen.
Deutschland
Schweiz
Bei der Polizei gehen laut Schweizerischer Kriminalprävention jedes Jahr rund 700 Anzeigen ein, die Dunkelziffer schätzt sie etwa 20-mal so hoch. Laut Kriminalstatistik waren 2025 54,8 % der Geschädigten Frauen, am stärksten betroffen sind Menschen über 60. Über 90 % der Täter sind Männer.
Das BACS zählt Romance Scam zu den Maschen mit den größten Schäden, nur Online-Anlagebetrug richtet mehr an.
Schutz
So schützen Sie sich vor Love-Scamming
Die Warnzeichen im Detail stehen unter Fake-Profile erkennen. Für den Alltag reichen vier Regeln.
- Kein Geld an Internetbekanntschaften „Wahre Liebe kostet nicht“, so heißt die Kampagne der Schweizerischen Kriminalprävention. Das gilt für jede Summe und jeden Grund.
- Früh ein Videocall Laut Polizei sollten Sie misstrauisch werden, wenn jemand Treffen und Videoanrufe dauerhaft ablehnt.
- Eine Vertrauensperson einweihen Von außen fällt das Muster schneller auf. Angehörige spielen laut Kriminalprävention eine wichtige Rolle.
- Konto und Ausweis nie für andere Keine Weiterleitungen, keine Pakete, keine Ausweiskopien. Wer sein Konto für Weiterleitungen hergibt, riskiert laut LKA Sachsen Ermittlungen wegen Geldwäsche.
Einige Partnervermittlungen prüfen Profile von Hand: ElitePartner laut eigener Angabe jede Anmeldung, LemonSwan bietet allen einen kostenlosen ID-Check. Das macht es Betrügern schwerer, schließt Betrug aber nicht aus. Die Regeln oben gelten überall. Wie die Anbieter prüfen, steht im Vergleich der Partnervermittlungen.
Fragen
Häufige Fragen zu Love-Scamming
Hilfe in Deutschland: Opfer-Telefon 116 006 und Polizei 110. In der Schweiz: Ihre Kantonspolizei, im Notfall 117.
Antworten
Was ist Love-Scamming?
Love-Scamming, auch Romance Scam, ist Betrug mit vorgetäuschter Liebe. Täter legen falsche Profile auf Dating-Plattformen oder in sozialen Netzwerken an, bauen über Wochen oder Monate eine emotionale Beziehung auf und erfinden dann eine Notlage, um Geld zu bekommen. Laut Schweizerischer Kriminalprävention sind über 90 % der Täter Männer.
Was tun bei Love-Scamming?
Schicken Sie kein Geld mehr und rufen Sie sofort Ihre Bank an, um eine Zahlung wenn möglich aufzuhalten. Sichern Sie Chats, Profilangaben und Belege, erstatten Sie Anzeige und brechen Sie dann den Kontakt ab. Melden Sie das Profil beim Anbieter und sprechen Sie mit einer Vertrauensperson.
Bekomme ich mein Geld zurück?
Oft nicht. Eine selbst veranlasste Überweisung lässt sich nach der Ausführung grundsätzlich nicht zurückbuchen, deshalb zählt ein schneller Anruf bei der Bank. Sitzen die Täter im Ausland, werden Verfahren meist eingestellt. Zahlen Sie nie an angebliche Helfer, die Ihr Geld gegen eine Gebühr zurückholen wollen.
Ist Love-Scamming strafbar?
Ja, es ist Betrug. In Deutschland droht nach § 263 StGB eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe, in der Schweiz nach Art. 146 StGB ebenfalls bis zu fünf Jahre oder eine Geldstrafe. Wer als Opfer Geld für die Täter weiterleitet, riskiert selbst Ermittlungen wegen Geldwäsche.
Wo melde ich Romance Scam in der Schweiz?
Erstatten Sie Anzeige bei Ihrer Kantonspolizei, den nächsten Posten finden Sie über Suisse ePolice. Im Notfall wählen Sie 117. Bringen Sie Chats, Profilangaben und Zahlungsbelege mit. Bei finanziellen Problemen hilft die Schuldenberatung Ihres Kantons.
Wie viele Menschen sind von Love-Scamming betroffen?
Für Deutschland gibt es keine bundesweite Zahl. In Baden-Württemberg entstand 2024 ein Schaden von rund 18 Mio. €, in Sachsen gab es 2023 368 Fälle, in Sachsen-Anhalt 2024 124 Fälle. In der Schweiz gehen laut Kriminalprävention rund 700 Anzeigen pro Jahr ein, bei einer etwa 20-mal höheren Dunkelziffer.
Quellen und Stand
- Verbraucherzentrale: Love Scamming, so schützen Sie sich, Stand 10.04.2025 (Ablauf, Schritte, Bank, Anzeige)
- WEISSER RING, Flyer Romance Scamming, August 2021; Bundesnetzagentur zur Nummer 116 006; Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/3289 vom 16.12.2025 (keine Bundesstatistik, Hilfetelefon 116 016)
- LKA Baden-Württemberg laut dpa/Schwäbische, 20.02.2026; LKA BW zu Recovery Scam laut Stuttgarter Zeitung, 13.07.2026; LKA Sachsen, Medieninformation vom 10.05.2024; Innenministerium Sachsen-Anhalt, PM 020/2025 vom 18.02.2025; BKA-Bundeslagebild Cybercrime 2025 laut beck-aktuell, 12.05.2026; DKB, Ratgeber Love Scamming, Januar 2026
- Schweizerische Kriminalprävention, Medienmitteilung vom 27.02.2025 und laut Beobachter vom 03.03.2025 und Bluewin vom 27.02.2025 (700 Anzeigen, Dunkelziffer, Täter); BFS, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, Medienmitteilung vom 23.03.2026
- Kantonspolizei Solothurn: Romance Scam; Kantonspolizei Aargau: Merkblatt Recovery Scam; BACS laut Netzwoche, 08.04.2026; PostFinance-Ratgeber Romance Scam, 19.03.2025; Blick, 02.04.2025
- § 263 StGB (Deutschland); Art. 146 StGB (Schweiz), amtliche Fassung auf fedlex.admin.ch. Keine Rechtsberatung.
- Anbieterangaben zur Profilprüfung: elitepartner.de, lemonswan.com, abgerufen am 4. November 2026. Auf dieser Seite stehen keine Partnerlinks.
